2026 ist nicht nur ein Rainer Maria Rilke- und ein Johann Peter Hebel-Jahr. Die literarische Welt feiert auch den großen Barockdichter Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, dessen Todestag sich am 17. August zum 350. Mal jährt. Im Badischen verbrachte Grimmelshausen die zweite Hälfte seines Lebens und schrieb dort wohl auch alle seine literarischen Werke: in Oberkirch, wo er als Verwalter und Wirt und im benachbarten Renchen, wo er als Schultheiß wirkte. In diesen Orten entstand auch der erste deutschsprachige Roman der Weltliteratur Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch (1668/69), was dazu führte, dass die Gegend in der Rheinebene heute als simplicianische Landschaft bekannt ist. Als ein Arbeiter am Abgrund nimmt sich dieser Autodidakt, der von Jugend an als Trossbube, Soldat und Regimentsschreiber in den Strudel des halb Europa verwüstenden Krieges geraten war, literarisch der Wirren und Bedrohungen seiner Zeit an. Mit der Maske des Einfältigen und des Schelms deckte er schonungslos auf, dass alles unbeständig und die Welt eine „verkehrte“ sei.
Die Orte Grimmelshausens im Literaturland Baden-Württemberg - von Breisach über Oberkirch und Renchen bis hin zum Mummelsee - sind ab sofort auf der Digitalen Literaturkarte sichtbar. Aus Anlass des Grimmelshausen-Jahres finden zudem zahlreiche Veranstaltungen und Projekte statt (Veranstalter siehe unten). Einer der Höhepunkte ist die Eröffnung der multimedialen Grimmelshausen-Dauerausstellung im Rahmen der baden-württembergischen Heimattage am 20. März 2026 in Oberkirch. Christian Gampert stellte die Ausstellung gemeinsam mit Prof. Thomas Schmidt im Deutschlandfunk vor.